Sonntag, 22. Juni 2014

Happy End im Medical Tent

by Marcel Hilger
Es gibt so viele Überschriften, die mir zu diesem Rennen einfallen: Im wahrsten Sinne eingeBrochen - das würds auch treffen. Nicht nach Wunsch verlief mein Ironman 70.3 Luxemburg. Ich werde hier vor der ca. 1000km langen Heimreise auch keinen Roman und auch nicht gewohnt lustiges von mir geben, sondern nur ein paar Hard Facts zum Race!

Ungewohnt gings Samstags erst um 13 Uhr los mit dem Rennen, nachdem ich am Donnerstag erst mit dem Auto aus der Süd-Ost Steiermark angereist war! Die Anreise hatte, ich mit einem gemütlichen Auslockerungsschwimmen zwischendurch in Regensburg und lockerem Ausradeln entlang der Saar gut überstanden.

by Marcel Hilger
Sprung zum Schwimmstart in der Mosel - wäh die Mosel. Beim reinschauen ins Wasser, wo sonst Frachtschiffe verkehren, wurde einem schon kotzübel. Schwimmverbot bis zum Rennen - freiwillig wär ich davor eh nicht reingestiegen.
Der Start ging gewohnt gut, wobeis schon intressant war das erste Mal zu sehn, wie schnell die Spitze weg sein kann. Unglaublich! Da wartet noch einiges an Arbeit auf mich in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren! Die erste Hälfte gings mit dem Strom und ich schwamm gut in einer der letzten Pro-Gruppen mit - so ehrlich und nüchtern muss man das sehen. Aufgrund einer kleinen Unachtsamkeit (ich wollte mich an die Spitze der Gruppe setzen, kam nicht vorbei, wollte mich zurückfallen lassen und verlor dabei den Anschluss - schlau mit au!) verlor ich die Gruppe kurz vor der Wende! Gegen den Strom wollte ich alles auf eine Karte setzen und das Risiko wurde schlussendlich alles andere als belohnt. die Bojen waren in einem Bogen dem Flusslauf der Mosel nach gesetzt und die Gruppen vor mir schwammen diesen aus. Ich war allein und dachte mir, ich hab nichts zu verlieren und nehme den Shortcut - damit hatte ich dann auch die wirkliche Strömung der Mosel gefunden und wusste das neben den Bojen eigentlich gar keine war  -ähnliche berichte von allen anderen die dort geschwommen sind. Kurz vor dem Ausstieg erstmals leichter Brechreiz, ohne zu wissen woher... dachte zu viel Moselwasser erwischt.

by Marcel Hilger
Und ab aufs Rad einsam und allein. nach 5km holte mich ein Belgier ein mit dem ich die ersten 20km zusammenarbeitete bevor er abriss! Die ersten 40km waren komplett flach und mit knapp 300Watt und etwas über 40km/h Schnitt war alles im Plan. Dann gabs volle Attacke in die Hügel. 70km lang ging das Spiel gut. Dort wollt ich noch mal ne extra Schippe draufsetzen, wie man hier sagt, da ich vor mir ein gutes Zweiergespann sah - Todesurteil. 291Watt bis hierhin im Schnitt - 270 solltens im Ziel sein! Alle Riegel beim Radeln musst ich wieder ausspucken, Gels gingen mit Müh und Not runter. Ich wusste schon, dass das nicht gut gehen kann - aber in der Wechselzone absteigen - no way! nach dem ersten Laufkilometer wars soweit ... einmal "speibn" bitte ... alles was unten war rauf - gottseidank mehr Flüssigkeit als sonst was. Wieder ein paar Schritte - selbes Spiel - nach der Labe wieder - Jap, jetzt war ich endgültig leer. Aber aufgeben wollte ich immer noch nicht. Erst am Ende der ersten von 3 Runden, sah ichs ein dass es keinen Sinn machte nochmal in die Sonne rauszulaufen, als die Oberschenkel unterernährt zu krampfen anfingen und ich leicht wankte beim geh-lauf-Schritt.

Folge war, dass mich ein Mitarbeiter des Luxemburger Roten Kreuzes ins Zelt mitnahm und ich dort vom Arzt einen Liter feinster Elektrolyte intravenös eingeschossen bekam - dort wo sie hinsollen! Danach war ich wieder am Leben :-)

Eines könnt ihr mir glauben: So fertig wie in der Nacht und heute hab ich mich nach einem 70.3 Rennen noch nie gefühlt - trotz fehlenden Halbmarathons. Nur Stiegen bergabgehen ist lustiger ;-)

Wies jetzt bis Wiesbaden mit Training und Wettkämpfen weitergeht - ihr hört von mir, auf jeden Fall mit ein paar Rennen daheim :-)