Mittwoch, 1. Oktober 2014

Ironman Mallorca - Was lernen wir daraus?!

http://www.christophschlagbauer.com/2014/10/ironman-mallorca-was-lernen-wir-daraus.html
Lernen - Ein oft verwendetes Wort in meinen heurigen Berichten. Es war auch ein vorgegebenes Ziel heuer einmal zu lernen. Und ich habe bereits viel gelernt. Aber von Rennen zu Rennen wurde mir klar, dass ich noch bnicht ausgelernt habe - Dies fand seinen absoluten Höhepunkt beim DNF (Did not finish) beim Ironman Mallorca vergangenes Wochenende.
Die Zeichen in den Wochen vor den Rennen standen äußerst ungünstig: Direkt nach dem Sieg am Sulmsee wieder Schmerzen bei den Weisheitszähnen und gleich darauf verkühlt. Diese ganz leichte aber doch hartnäckige Verkühlung bekam ich erst zu Beginn der Rennwoche weg, davor klarerweise Trainingsflaute für mehr als eine Woche. Im Kopf stellte ich mich bereits auf einen möglichen "Urlaub mit Ironmanstart-Versuch" ein. So richtig Rennspannung ist nie so richtig aufgekommen, vielleicht am Tag davor etwas.
WAS LERNEN WIR DARAUS?! Auch wenn ich vor allem im Vergleich zu anderen immer sehr gelassen an die Rennen heran gehe, ein wenig mehr Fokus auf den Tag X hätte es dann doch bedurft, um ein halbwegs solides Rennen zu machen. Also den Mittelweg zwischen "sich selbst Druck machen" und "es is alles wurscht" habe ich leider nicht gefunden - auch im Rennen nicht!

Das alles soll nicht heißen, dass die Motivation fehlte! Die war voll da - das ist meine Strecke, die 182km kenn ich von den Trainingslagern in und auswendig - da will ich nun endlich MEIN RENNEN machen! Also ich brannte einerseits voll auf das Rennen, andererseits waren meine Erwartungen vom Rennen durch eine fehlende Form sehr gedämpft: Motivation 100% - Erwartungen 0%. Und das sah man auch gleich beim Schwimmstart, wo ich nach den 50m Flachwasser an der Spitze der Profis ins tiefere Köpfte. In weiterer Folge machte sich aber fehlendes Schwimmtraining bemerkbar - das Wassergefühl war schlecht, aber gut - ich habe eine 4-Mann Gruppe bei den Pros gefunden, da Schwimm ma mit. AUAAAA - eine Qualle. Zuerst am Schulterblatt und wenig später griff ich just in dem Moment wo Schwimmen fast schon lustig war mit der Hand in eine Qualle und irgendwie war der Zug fort und die Motivation sank. Wobei das eher sinnbildlich für die Gesamtverfassung zu sehen war - die Qualle allein wär mir in einem anderen Rennen egal gewesen - in diesem, wo mich gerade die Gruppen der ca. 5 Minuten hinter mir gestarteten Age-Grouper zu überholen begannen - und das nach 1500m - war es ein mentaler Tiefschlag! Ich war leer - körperlich und mental.
WAS LERNEN WIR DARAUS?! Diese Antwort muss ich erst finden, ich weiß es noch nicht, aber sie liegt der Antwort von oben sehrsehr nahe.

Das weitere Schwimmen war ein Kampf in aufschäumenden Wassermassen - mit viel Wasserschlucken, lecker Salzwasserschlucken. Dementsprechend auch der Kampf mit dem Magen in der ersten Wechselzone - Gottseidank hab ich die grauenhafte Salzwasserübelkeit ohne mich zu übergeben beim Lauf/Gang zum Rad überstanden und es ging wieder besser. Als Lernresistant ist folgende Aktion einzustufen. Ob des unglaublich schlechten Schimmens mit über einer Stunde und einer Viertelstunde Rückstand attackierte ich am Rad wieder - Ähnlich wie in Hawaii wollte ich es machen... zu Beginn attackieren, dann dosieren und am Schluss wiedergestärkt zu attackieren. Soweit war der Plan auch gut. Aber den Moment die Anfangsttacke zu stoppen habe ich versäumt. Nachdem ich mit 8sec. die zweite Gesamtzeit auf den ersten 30km gefahren war habe ich nach 40km bergauf nochmal versucht eine gebildetete 15 Mann Gruppe anzugreifen - What for?! Am Ende des flach-steigenden Teilstückes fand ich mich gerade mal 200/300m vor der Gruppe wieder und lies mich leicht "gschossen" zurückfallen. Am Ende der Gruppe rollte/fuhr ich dann gemeinsam mit Armin Atzlinger 10-15m Abstand - zu spät bemerkte ich, dass aber auch das, Dank Ziehharmonika-Effekt, extrem anstrengend war.
WAS LERNEN WIR DARAUS?! Den Worten eines erfahrenen Trainers Glauben schenken und nicht
spontan Renntaktiken über den Haufen zu werfen. Das hat in Hawaii einmal funktioniert weil alles zusammengepasst hat. Aber ohne Form führt das nur ins Verderben. Immer wieder eingebaute Wattspitzen mit weit über 300-400 Watt über Rolling Hills sind nichts wür eine Langdistanz.

Energetisch enterleert versuchte ich mir alles hineinzustopfen was ich am Rad hatte, just auf Cola hab ich bei der Labe nicht gedacht. Das war auch der Zeitpunkt an dem ich das Rennen mental beendete. Als letzter der Gruppe hängt ich mich in den direkten Windschatten der Vorderleute um dran zu bleiben. Innerlich weinend über die Aktion über 10km kamen wir dann nach der Hälfte durch Alcudia wo ich nochmal versuchte auf Abstand an der Gruppe dran zu bleiben - Die nächsten 10km waren wür mich von der gefühlten Intensität wie eine Kurzdistanz, die Wattwerte jedoch waren, die einer Trainingsausfahrt. Die Gruppe fuhr zumindest im Allgemeinen sehr unfair, Leute die versuchten Abstand zu halten wurden überholt und durchgereicht. Absolutes Negativbespiel war die Führende Amerikanerin bei den Damen. Dede Griesbauer nenne ich jetzt ganz offen "die Unsportlichkeit in Person" 50km durfte ichs sie inmitten der Gruppe lutschend beobachten. Im Endeffkt wurde sie Gesamt 2. Die Gesamt 4., Moe Pettersen war ebenfalls in dieser Gruppe und versuchte vorallem am Anfang noch 20m!!! Abstand einzuhalten, erst später sah sie ein, dass sie auch an die Gruppe ran musste, fuhr aber zumindest am Ende. Ein Rennen an der Spitze, welches im Agegroup-Feld wertlos war, genauso wie meines! Es wäre die Chance der Saison gewesen hätte ich eine Form gehabt. Fair mit der Age-Group Gruppe mitfahrend hätte ich mir immer noch genug Körner fürs Laufen aufsparen können. Ich war da auch mit den bekannt schlechten Profischwimmern Mike Schifferle und Matthias Knossalla in der Gruppe die unglaublich gute Radler waren - das war meine Traumvorstellung vor dem Rennen mit den beiden Zusammenzukommen.
WAS LERNEN WIR DARAUS?! Erstmal, dass ich mit dem letzten Absatz ein wenig meine Zeit vergeudet habe. Ich wollt mich eigentlich in dem Blog nicht mit der Windschatten Problematik beschäftigen, das überlass ich andern - ich glaube jeder, der vor Ort war hat das gesehen und Bilder zb. von Getty oder Finisherpix sprechen auch als Momentaufnahmen mehr als 1000 Worte. Und ich gehörte für kurze Zeit dazu!!!!!!!

Körperlich am Ende und mental als Drafter geknickt riss ich nach 100km von der Gruppe ab. Ich kämpfte mich noch zur Labe bei km110 um dort ein Cola zu EXn und dann noch voll Zucker die 500hm auf den Berg zu fahren. Aber nachdem mich auf dem Weg dorthin zwei 20-30 Mann Gruppen in zweier-dreier Reihe überholten und ich die mit Abstand auch NICHT MEHR halten konnte, stieg ich in Pollentia ab, verpflegte ich mich bei der Labe und fuhr heim zu meinen Supportern Klara und Heinrich. Versuchen gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Was mir vielleicht bis zum Zeitpunkt an dem alle aus der Wechselzone kamen auch gelang:
"Schau da Van Houtem, mit dem hab i die Gruppe mit 400 Watt attackiert - Wird Gesamt 7."
"Schau da Schifferle, der hat das Tempo in meiner Gruppe gemacht - und da Knossalla, der is auf unser Gruppen allein aufgefahren - alle um Rang 15 herum!"
WAS LERNEN WIR DARAUS?! Das was wäre wenn tut unglaublich Weh. Wär ich nicht verkühlt gewesen! Wär ich mit normaler Leistung 5 Minuten schneller gschwommmen! Hätt ich am Anfang nicht formlos so viel Gas gegeben! Hätt ich mir früher ein Cola geschnappt! Wär ich heute doch mit dem rechten Fuß zuerst aufgestanden! Wär ma doch mit Neo in dem warmen Wasser gschwommen! Hätt ich doch mit 10 Jahren zum Schwimmen angefangen! Wär ich doch Profifußballer worden! ... Haha... NEIN, jetzt zieh ichs nicht weiter ins Lächerliche. Die ersten "Hätti-Tätti-Wari-Fragen" sind ja durchaus ernst und sie werden mir immer in Erinnerung bleiben - in schlechter Erinnerung. Und das ist gut so!

Das war nun gezwungener Maßen mein Saisonende - Weisheitzähne müssen raus, um Ende Feber voll fit bei der Challenge Wanaka über die Ironmandistanz am Start stehen zu können. Rückblick und Ausblick gibts in Kürze.   

Hier noch Mal der Hinweis, nach einer erfolgreichen Einführung im August gibts auch wieder einen September Newsletter. Wenn du ihn haben willst eine kurze Mitteilung an mich (christoph.schlagbauer@edu.uni-graz.at)