Mittwoch, 14. Januar 2015

Crash of Culture ... aber nur wenn man sich schocken lässt


Der erste Blogeintrag wird viel mehr ein Reiseblog als ein gewöhnlicher Blog eines Triathleten. Und die Überschrift kann man wörtlich nehmen: Man sollte gut vorbereitet sein, wenn man in dieses Land einreist, um hier etwas länger zubleiben – so viel steht nach der ersten Nacht schon fest. (Mangels Internetconnection nur mit dem einem Blind nach dem Schwimmtraining heute Abend)
Viel hab ich nachgelesen und mit Einheimischen Kontakt gehabt und ebenso viel habe ich auch über den aus 7.107 Inseln bestehenden Staat in Erfahrung gebracht. Und im Endeffekt ist bis dato sowohl Positives als auch Negatives voll eingetroffen.

 
Man spricht von einer unglaublichen Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Filipinos – auch wenn ich noch am Flughafen sitze und meinen Inlandflug erwarte kann ich Ersteres schon nach dem Flug von Dubai nach Manila bestätigen. Der Langstreckenflieger war zum Großteil mit Bewohnern von hier und nicht wie von mir erwartet mit Auslandstouristen gefüllt. Es wird dir wahrscheinlich jeder von ihnen wenn du auf eine Tür zugehst oder im Gang begegnest den Vorrang lassen und es gibt bestimmt kein Anrempeln oder –stoßen, welches nicht eine umfangreiches Entschuldigen zur Folge hätte. Ein gutes Beispiel für Großzügigkeit der Einheimischen, auch wenn sie nicht viel besitzen mögen, war auch schon mein Sitznachbar beim Flug. Nachdem er schon dadurch aufgefallen ist einem älteren Herren weiter vorne das Handgepäck zu verstauen, ging’s auch schon mit einem breiten Grinsen und einer überaus freundlichen Begrüßung in Richtung unserem Platz. Ohne lange nebeneinander zu sitzen, bekam ich gleich zu Essen angeboten. Ein mitgebrachtes Menu von McDonalds soll hier symbolisch dafür stehen – Nachdem ich es schaffte beim ersten Mal dankend abzulehnen, erinnerte ich mich beim zweiten Mal an im Internet Gelesenes, das es unfreundlich wäre gastfreundliche Angebote auszuschlagen und lehnte zwar noch Burger und Fritten ab, nahm aber „der Gutwilligkeit halber“ die Apfeltasche dankend an.
Im Nachbarresort meines Hotels after Swim
Nach langer Anreise (ca. 15 Stunden Flugzeit excl. 4 Stunden am Flughafen Dubai – war aber cool, mit Blick aufs höchste Gebäude der Welt, welches man mit seinen 828m auch gut vom Flughafen sieht, beim vorbeifliegen aber noch besser – leider nicht sichtbar war der höchste Berg der Welt… der gesamte Himalaya-Gebirgszug war von Wolken verhüllt) setzte sich ähnliches am Flughafen fort – wobei es langsam begann in eine andere Seite überzugehen, eine bei der man behutsam sein sollte. Taxi, Taxi … überall wollen‘s dir ein Taxi verkaufen, meist zum Preis eines Kleinwagens – in einem Land, wo ein Haarschnitt umgerechnet 90 Cent kostet (eine Stunde Massage übrigens nicht mal 5€ angeblich wie mir ein Ami heut erzählte). Aber auch darüber wusste ich Bescheid. Leider schaffte ich es mangels Wifi-Verbindung nicht wie geplant beim Aufenthalt in Dubai mir ein Flughafen-Hotel zu buchen, was im Nachhinein gesehen wohl nicht so optimal war.

Nachdem mich die Tourist-Information zu einem Stand vor dem Flughafen schicke, der vom Hotel gegenüber sei, musste ich feststellen, dass es diesen nicht gibt. Glücklicherweise kam ich aufgrund meines Radkoffers mit einem Airport-Polizisten ins Gespräch, der mir dann interessanterweise gleich auch ein Hotel organisierte, nach drei, vier Telefonaten war kurzfristig ein günstiges gefunden.  Klar dass seinem Kumpel daneben für die Organisation der Taxifahrten verantwortlich war. Dass dies trotz einer angeblich nur 10-Minütigen Fahrt kein ein Euro Taxi sein wird war mir auch klar, aber ich ließ mir den Preis gleich vorweg sagen und fackelte nicht länger herum, da es schon fast Mitternacht war und mein Inlandsflug heute schon wieder um 9 Uhr ging. Einmal kann man sich ja etwas über den Tisch ziehen lassen… doch dann… AUSNAHMEZUSTAND – mitten in der Nacht. Airport zu, kein Taxi kam mehr raus – keins mehr rein – alles zu. Irgendwie war ich ja froh, dass ich nicht verstanden habe worauf der Mann und der Polizist dann hinaus wollten, ansonsten hätt ich folgendes Angebot eher nicht angenommen. Der Chef nahm mich mit zu seinem Privatauto am Rand des Flughafen, wo wir wegfahren konnten, da sein Office neben dem Hotel war und er dorthin musste – soweit so gut – ok. Leichter Schock aber ok… Leider schafften wir etwas nicht mehr rechtzeitig anscheinend, was wusste ich nicht genau… jedenfalls ärgerte sich unser Fahrer. Ein riesen Kreisverkehr, eingekreist und von Polizisten und Militär umstellt und wir kamen nicht weiter. Was darauf folgte, hab ich in dieser Form noch nie gesehen – eine Blau-Rotlicht Fahrzeugkolonne der Superlative. Nicht enden wollend fuhren Polizeifahrzeuge und Motorräder mitten in der Nacht durch diesen Kreisverkehr – der Papst fuhr durch die Stadt. Was das für eine sowieso im gesamten Verkehrsgeschehen überforderten Stadt zur Folge hatte bekam ich die folgende Stunde zu spüren. Wir mussten einen Umweg über eine völlig überlastete Autobahn in Kauf nehmen, der schneller schien als hier auf die Freigabe des Kreisverkehrs zu warten. Der Weg dorthin schien mir in einer Verkehrsleeren Straße leicht illegal, aber noch nie hab ich so viele Polizisten auf einen Haufen gesehen, eine Spalier auf allen Straßen rundherum – kam mir fast so vor al wäre ich der Staatsbesuch. Der Rest war Erfahrung die mir keiner mehr nehmen kann und Riesenschock zugleich – Großstadtverkehr bei Staubildung auf den Philippinen. Dass ich in dieser Stunde keine 10 Unfälle gesehen habe wundert mich heute noch, aber anscheinend scheint das System auch zu funktionieren. Vorbei an Unzähligen Massagebuden oder Nachtclubs oder was auch immer diese Lokalitäten mit Personen des 3. Geschlechts davor waren, gings dann ins Hotel, welches übrigens wie ich heute Morgen feststellte 5 Minuten vom Flughafen entfernt ist ;-)  Hier ein Screenshot der GPS-Position gestern Abend im Bett – Interessant eine Stunde dorthin zu brauchen. Aber verdient haben die beiden sichs so lange zu fahren, da war der Preis wenigstens gerechtfertigter ;-)
Überhaupt stimmt es nicht wie ich gelesen habe, dass man ganz gut überall mit US Dollar zahlen kann… naja, stimmen tuts schon, es geht überall – aber die Umrechenkurse zaubern die Leut halt irgendwo her wies ihnen grad passt und dass das nicht positiv für den Dollar-Zahler ist, ist wohl klar ;-)
Übrigens noch was aus hygienischer Hinsicht… ich hoffte zwar sowas nicht zu sehen, hab ich ja bereits davor davon gelesen, doch blieb es mir nicht erspart. Zum Glück musste ich nicht aufs Klo – es gab dort nämlich kein Toilettenpapier sondern stattdessen nur Kübel mit einer Art Trichter oder kleinen Gießkanne… rawr  ;-)
So, ich muss zum Inlandsflug nach Bohol – klarerweise in dem Moment auf einem anderen Gate aufgerufen als auf allen Bildschirmen und auf meinem Ticket steht #chaos
PS: mein Rad darf ich auch mitnehemen… Trotz Voranmeldung und Vorbezahlung durchs Reisebüro, drehte die Dame am Check-In Schalter gefühlte 3 Runden durch den Flughafen bis es mitdurfte. #chaos
                                                                                 
PPS: Hab den Blog am Airport geschrieben, mittlerweile bin ich gut am Ziel angekommen und hab auch schon die ersten beiden Einheiten absolviert… Eines vorweg, fühl mich leicht Außerirdisch hier – mehr davon bald, eh klar :-)