Samstag, 30. Mai 2015

Ironman Lanzarote - Das Rennen


http://www.christophschlagbauer.com/2015/05/ironman-lanzarote-das-rennen.html
Hier gibt's nun einen Rennbericht zum Ironman. So facettenreich wie ich vor einiger Zeit in einigen Blogs das Big Island von Hawaii beschrieben habe, so facettenreich ist auch die Insel Lanzarote, auch wenn sie mir im Februar um einiges besser gefällt als jetzt im Mai. Vor dem Rennen hab ich mir schon meine Gedanken gemacht, ob es klug war in einem Jahr in dem man einen Kanaren-Ironman startet nicht davor auf den Kanaren Trainingslager gewesen zu sein. Womit wir beim Thema Wind wären. Am Renntag nicht so wild wie an den Vortagen, aber doch sehr unbarmherzig und zach.

Start: 23.Mai, 7 Uhr, Puerto del Carmen, Lanzarote – Spitze! Die Tage davor bin ich erst zu Mittag oder am Nachmittag geschwommen, da wurde es schon richtig wellig. Noch recht windstill und Wellenfrei ging die erste Runde in knapp über 27 Minuten zu Ende. Rückstand auf die Spitze im Nachhinein gesehen: 4 Minuten! In der Analyse ein großartiger Teilerfolg. Dann kam die zweite Runde, die Sonne ging auf, es wurde windig und wellig, jedoch konnte ich mich trotzdem gut orientieren: Juhu, endlich kommt mir meine Freiwasser-Fisch-Phobie im Training zu Gute, weil ich da bei jedem Zug nach vorne schauen muss, damit ich nicht immer in die endlose Tiefe starren muss, wo ungeheure Kreaturen lauern könnten. :-) Jedoch wusste ich schon beim Schwimmen, dass ich wohll etwas langsamer unterwegs war, was auch die Anzeigetafel beim Ausstieg bestätigte: 57:34 und der 75. Gesamtrang. Ein Blick auf die Endklassements zeigt, dass „alle“ die zweite Runde langsamer geschwommen waren, was meine Theorie der schwierigeren Verhältnisse durch den Sonnenaufgang wohl bestätigt.

Und so ging’s auch weiter: schwierig. Gut gewechselt machte ich mich auf zum windigen bis stürmische Teil des Tages, was sich wohl aber nicht als ein Nachteil für mich erwies. Ich konnte den Wind gut handeln und ließ mich von den Böen einfach ohne große Gegenwehr versetzen – Go with the Flow sozusagen. Ich versuchte mal zu ignorieren, dass mir meine Achillessehne ziemlich weh tat und dieser Schmerz dann nach 10km vom Knie abgelöst wurde, bevor dann die Oberschenkelrückseite weh tat. Haha, der Klassiker. Also es waren aber schon echt schmerzen da, welche ich ehrlich gesagt nicht erwartet hätte, aber die gingen dann im Rennverlauf weg und später hatte ich eh andere Sorgen… größere Sorgen. Auch wenn man immer wieder Mal Leute überholte und von Leuten überholt wurde (welche ich dann aber meist wieder einsammelte), war es ein einsames Rennen mit einem monotonen etwas böigen Rauschen im Ohr… Probiert mal fünfeinhalb Stunden mit einem Kompressor ins Ohrwaschl zu blasen… 90km ins eine und 90km ins andere gings immer so dahin haha. Und da wären wir auch schon dabei, warum es der Wind schwer machte. Im Feber kommt er mehr von Norden, wodurch man mal ewig Gegenwind, aber auch die anderen Teile Rückenwind hat – im Mai kommt er jedoch anscheinend mehr aus Westen: bitter. Dauernder Seitenwind, welcher sich bald mal im Genick bei mir bemerkbar machte. Nach 4 Stunden waren die schwersten Teile der Strecke überstanden, nachdem ich davor schon mal den 30. Gesamtrang zugerufen bekommen hatte. Damit lag ich wohl auf Rang 24 bevor es runter die Abfahrt ging, wo ich mich zwar kaum noch klein machen konnte, ich aber versuchte diese Not zur Tugend zu machen, um mich in dieser Zeit etwas zu erholen. Satz mit X, war wohl nix: Kilometermarker 140 oder 150: nix ging mehr. Rückenwind und Wattwerte aus dem Training. Energetisch leer fühlte ich mich. Ich bin wohl der Meinung, dass ich davor nicht überpacet hatte, brav hielt ich mich an die Vorgaben und fuhr Wind hin oder her meine Werte runter. Wobei ich auch dazusagen muss, dass ich mich auch nicht danach fühlte schneller zu fahren, also ich hätte gar nicht über die Vorgaben hinaus attackieren können. Das hat mich zwar schon etwas stutzig gemacht zu beginn, aber ich hatte mich da ohnehin eher auf eine schonendere Fahrweise aufgrund meiner Achillessehne und meines Knies zu konzentrieren. Lange Rede kurzer Sinn: Ich war blau. Ich wusste nicht warum. Ich weiß bis heute noch nicht warum. Wir versuchen es gerade zu analysieren.

Nachdem ich über die Radstrecke wohl meine Gesamte Verpflegung und noch etwas dazu verputzt hatte, hoffte ich mich beim Laufen doch noch Mal erholen zu können. Nach 5:35 gings als 29. vom Rad runter, Plätze hatte ich also dann gar nicht mehr so viele verloren, Zeit wohl etwas über 10 Minuten auf die 40km am Schluss.

Marathon, ich versuchte mal nicht dran zu denken und nahm mir KM10,5 ins Visier, wo die erste Wende lag. Leider lief ich gar nicht so weit, Nach 9km musste ich bereits das erste Mal eine kleinere Erhebung gehen. Nach 12km wurde es dann schwer, den Flughafen von Lanzarote kenn ich nun sehr sehr gut. Eine halbe Runde rundherum musste ich gehen und ich sag auch eines: Da landen um die frühe Nachmittagszeit gar nicht so wenig Flieger ;-) Dann ging‘s so halbschwindlig dahin, bis ich mich etwas mit Beginn des 2. Halbmarathons erholt hatte. Nach unglaublichen 2:04 war ich am Wendepunkt bei Start/Ziel angekommen und mir standen nun noch zwei Viertelmarathons bevor. Rein rechnerisch könnte ich jetzt mit einem 1:26er Halbmarathon noch 3:30 laufen haha. Dieses Unterfangen ging für den Erholten Schlagbauer 10km lang gut bevor ich dann nach etwa 32km das Rennen im Kopf abschloss und mich bereits begann auf meine nächsten Rennen vorzubereiten. Was soll das jetzt heißen?! Nach dem Motto „you’ll never walk alone“ promenierte ich am Strand so dahin und kam nach 4:31 am Marathon ins Ziel. Gedanke beim erneuten Einbruch bei km32: Finishen ganz klar JAAA! Dieses Ja viel schon um einiges leichter als noch nach 13 oder 14km wo das Ganze Unterfangen noch sehr unendlich schien. Jetzt schnellstmöglich finishen: NEIN! Für diese Einstellung dürfts mir nicht böse sein, ich sehs mal eher als gscheite Einstellung: Ob ich jetzt 4 Stunden oder 4:30 Stunden laufe ist, wenn man nicht um eine Age-Groupplatzierung kämpft, nach einem schlechten Rennen im Profi-Rennen komplett sch*** egal. Jedoch ist es nicht egal, was die Regeneration nach dem Rennen und die restliche Saison betrifft: Finishen und möglichst schonend finishen war die Devise… So bin ich halt nicht 90. sondern 166. geworden, aaaber schaue schon um einiges positiver auf meine nächsten Trainingseinheiten und Rennen.